Nachrichtenblatt des
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Andere Themen  Mittwoch, den 10.02.2021 von Igor Plotkin / 5 Kommentare / 203x gelesen

Wirtschaftsgericht entscheidet, dass der in der Schweiz aufgesetzte Kaufvertrag zwischen Schweizern und Deutschen trotz womöglich absichtlicher falscher #Übersetzung gültig ist.

Eine Schweizer Stiftung baut mit 2,4 Millionen Franken ein Hotel in der weißrussischen Stadt Kobrin auf. Und verliert es an eine deutsche Investmentfirma.

Heinrich Aebli (85) steht am Abgrund. Der ehemalige Stadtpräsident von Glarus und sein Team um die «Stiftung Motel Suworow» sind laut eigenen Angaben von einer ostdeutschen Investmentfirma über den Tisch gezogen worden. Die Streitsumme: 2,4 Millionen Franken. So viel hat das Hotel in der weißrussischen Stadt Kobrin gekostet, das die Stiftung aufgebaut hatte und nun wieder verkaufen wollte. «Doch der in der Schweiz aufgesetzte Kaufvertrag ist von den deutschen Partnern absichtlich falsch übersetzt worden», klagt Aebli. «Es stand, dass wir das Geld für das Hotel bereits erhalten hätten».

Dass ihn seine Vertragspartner A.O.* und A.C.*, die er zu seinen besten Freunden zählte, hintergehen würden, hätte er niemals erwartet, sagt Aebli. «Ich fühle mich beschissen, bin am Boden zerstört». Dabei hatte alles so schön angefangen: Aebli startete sein weißrussisches Abenteuer als Glarner Stadtpräsident. Nach dem Ende des Kalten Krieges 1989 begründete er mit Kobrin eine Städtepartnerschaft und spendete mit viel Enthusiasmus und Schweizer Unterstützung Krankenwagen, Kleider und Geld. Er verliebte sich in das Land, wie er sagt – und in eine Weißrussin. Mit knapp 70 wurde er erneut Vater. «Und jetzt stehe ich vor dem Scherbenhaufen», sagt Aebli.

Budget von 200'000 Franken

Ein Scherbenhaufen, der viel Kraft und Mühe gekostet hat. Mit einem Budget von 200'000 Franken sollte der Hotelkomplex innert weniger Jahre fertiggestellt werden. Gekostet hat er schließlich 2,4 Millionen – und über zehn Jahre Bauzeit. «Die Idee war, dass sich das Hotel selbst finanziert, bald schwarze Zahlen schreibt und die lokale Bevölkerung dort Arbeit findet», erklärt Aebli.

Doch abgesehen von den Mitgliedern der Stiftung verirrten sich nur wenige Touristen ins Hotel. Das Geschäft lief schlecht. Um die Darlehen der Stiftungsmitglieder zurückzahlen zu können, entschied man sich für einen Verkauf des Hotels, sagt Aebli. «Und wir waren uns sicher, dass wir und unsere Freunde ein gutes Geschäft machen.»

Mobiliar aus Hotel geräumt

Ein gutes Geschäft machte jedoch nur die Gegenseite: In einem ersten Prozess entschied ein weißrussisches Wirtschaftsgericht, dass der Kaufvertrag der Investmentfirma trotz falscher Übersetzung seine Gültigkeit habe. Aebli und seine lokalen Angestellten mussten im April 2019 das Hotel verlassen. Trotzdem wurde das Hotel bisher nicht wieder in Betrieb genommen. Aebli: «Unsere Leute haben sämtliches Mobiliar ausgeräumt und an einen sicheren Ort gebracht. Strom, Gas und Wasser sind abgestellt.»

Der Glarner zeigt sich kampfbereit: In einem ersten Schritt reichte Aebli Ende Dezember vor dem Kantonsgericht in Glarus Klage ein. «Wir werden auch eine Anzeige gegen die Investmentfirma einreichen. Zudem gehen wir vor dem Wirtschaftsgericht in Minsk gegen die Verantwortlichen vor.»

Vermögen geht zur Neige

Beim Gericht musste die Stiftung jedoch bereits 21'000 Franken, also ein Prozent der Streitsumme, als Sicherheitsgarantie hinterlegen. Das Geld werde langsam knapp, gesteht Aebi: «Meine investierten 180'000 Franken habe ich bereits abgeschrieben.» Für Aebli geht es um alles oder nichts. Per Ende 2018 betrug das Stiftungsvermögen noch 88 Franken und 60 Rappen. (20min.ch)


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Kommentare:
10.02.2021 17:40 Uhr
1. Mr. HicHELP schrieb:

Das Vertragsrecht an sich ist schon national gesehen eine komplexe Angelegenheit, mit vielen Grauzonen. Wenn dann noch Probleme in der Übersetzung dazu kommen, ist das Dilemma perfekt.

Eine Art von Existenz - Bedrohung der anderen Art, die keines Virus bedurfte.
15.02.2021 12:34 Uhr
2. Mr. HicHELP schrieb:

Das noch weit wichtigere des Beitrages ist, dass Herr Plotkin an nur einem Beispiel aufzeigt, wie schnell man in die Falle gerät. Heißt also, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Allgemein: Herr Plotkin hat verstanden, anhand seiner Beiträge, wie wichtig es ist, solche Informationen vorzuhalten, um andere vor Schwierigkeiten zu schützen. Dies ist wichtige Aufklärungsarbeit.

Eines der großen Anliegen von HicHELP.
20.02.2021 10:59 Uhr
3. Igor Plotkin schrieb:

Ganz genau!
Deshalb spezialisieren sich die "guten" Übersetzer und Dolmetscher auf die Gebiete, in denen sie sich bestens auskennen, so z. B. Vertragsrecht. Von anderen "Kollegen", die einfach alles von den MRT-Berichten über die Bauanleitungen bis hin zu den Anklageschriften übersetzen, wäre zu empfehlen, Abstand zu nehmen und lieber auf Fachübersetzer und Fachdolmetscher zu setzen.
20.02.2021 11:44 Uhr
4. Mr. HicHELP schrieb:

Und wenn solche Kontakte über vertrauenswürdige Kanäle, den wir hier aufbauen möchten, erzielt werden, dann wird dem Sinn dieser Seite richtig Leben eingehaucht und kann vor Schäden schützen. HicHELP liefert Informationen, die nicht unbedingt angenehm sind, zumindest aber den Anspruch erheben, sich mit Themen zu befassen, die eben auch zu ihrer unternehmerischen Existenz notwendig sind.

Corona offenbart gerade die vielen Baustellen, die nicht bedacht wurden.

Möge es gelingen und noch mehr Verantwortung zeigen, gegenüber dem Berufsstand und sich rege an dem Netzwerk beteiligen. Jetzt ist die Zeit überreif, das Schneckenhaus zu verlassen.

Mr. HicHELP
22.02.2021 16:36 Uhr
Mr. HicCINS  schrieb:

Das es sowat überhaupt gibt! Aber habe auch schon mal was mitgenommen. Mhh, war nicht meine...

 

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